
Wie vielseitig und interessant Handwerk ist, vermitteln die Handwerkskammern in zahlreichen Nachwuchsprojekten.
Veranstaltungstermine für Schüler und Lehrer und aktuelle Projekte
finden Sie in der Rubrik Aktuell.

15. bis 17. November 2010
in den Berufsbildungszentren der Handwerkskammer Koblenz
Treffpunkt für Lehrer, Vertreter der Wirtschaft und der Arbeitsverwaltung
Die als Fortbildungsmaßnahme anerkannten Lehrer-Info-Tage sind ein Angebot für Lehrer aller allgemeinbildenden Schulen im nördlichen Rheinland-Pfalz, von der Sonderschule bis zum Gymnasium.
Informationen und Anmeldung
Handwerkskammer Koblenz
Pädagogischen Anlaufstelle
Telefon 0261/398 324
E-Mail aubira@hwk-koblenz.de
www.hwk-koblenz.de/pa
33. Lehrer-Info-Tagen vom 16. bis 20. November 2009
KOBLENZ. Reinland-Pfalz schafft schrittweise die Hauptschule ab. Spätestens ab Schuljahr 2013/2014 soll es nur den Abschluss der Realschule Plus geben. Ziel ist, möglichst viele Schüler zu guten und höheren Bildungsabschlüssen zu führen, um den künftigen Fachkräftebedarf zu decken und den Zugang zu den Hochschulen zu verbreitern. Zum Auftakt der 33. Lehrer-Info-Tage bei der Handwerkskammer Koblenz stand die neue Schulart im Land im Blickpunkt von Wissenschaftlern, Bildungsexperten und Handwerkern.
Karl-Heinz Scherhag, Präsident der Handwerkskammer Koblenz, bezeichnete in seiner Begrüßung die 33. Lehrer-Info-Tage erneut als „bewährtes Forum des Austausches zwischen Schule und Wirtschaft“. Er betonte, dass das Handwerk hilft, Begabungen bei den Schülern zu entdecken und verwies auf die zahlreichen Maßnahmen der HwK zur Berufsorientierung.
Gemeinsames Lernen und individuelle Förderung
„Der demografische Wandel mit deutlich sinkenden Schülerzahlen, ein verändertes Bildungswahlverhalten der Eltern, eine immer stärker zurückgehende Akzeptanz der Hauptschulen, eine zu hohe Zahl von Jugendlichen ohne Schulabschluss und der steigende Bedarf der Wirtschaft an gut qualifiziertem Nachwuchs sind die objektiven Faktoren, die eine Veränderung der Schulstruktur erfordern“, betonte Karl-Herinz Held, Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz, in seinem Statement. „Die rheinland-pfälzische Schulstrukturreform ist aber weit mehr als nur das Zusammenführen zweier bisher getrennter Schularten unter einem gemeinsamen Dach. Sie ergänzt notwendige organisatorische Veränderungen mit pädagogischen Akzenten wie längeres gemeinsames Lernen und mehr individuelle Förderung. Sie schafft bessere Qualifikationen für Ausbildung, Studium und Beruf und erhöht die Durchlässigkeit zu höheren Bildungsabschlüssen“, so Held.
Eckpunkte einer integrativen Bildungs-und Berufsbildungspolitik
Professor Dr. Dieter Münk, Institut für allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik, Universität Darmstadt, referierte zum Auftakt über das Thema „Berufsvorbereitungs- und Übungssysteme“. Münk unterstrich, dass jährlich fast zwei Milliarden Euro in Übergangsmaßnahmen zur Förderung von Lehrgängen der überbetrieblichen Förderung wie beispielsweise Jobstarter, STARegio Berufsausbildungsbeihilfe zur Unterstützung betrieblicher und überbetrieblicher Ausbildung fließen. Er forderte eine Bildungspolitik, die Heterogenität und Differenz der Schüler als Normalfall begreift und dies strukturell wie konzeptionell berücksichtigt. Eine Bildungspolitik, die spezielle Maßnahmen für strukturell benachteiligte Schüler (Migration, soziale Herkunft) berücksichtigt, die den gewandelten Anforderungen auch in der Lehrerbildung gerecht wird, die durch rechtlich-politische Umgestaltung des gesamten Bildungssystems Kontinuität und Konsistenz von der frühkindlichen Bildung über die berufliche und die Hochschulbildung garantiert und lebenslanges Lernen für alle systematisch strukturell und konzeptionell umsetzt.
Gerechtigkeit gegenüber Begabungen und Neigungen
In Deutschland ist „Lernen wie Rudern in einem Strom mit Schleusen“, so Dr. Kornelia Hahn vom Institut für politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn. „Das deutsche Bildungssystem hat ein Ausleseprinzip der Klassen entwickelt und unterscheidet zwischen höherer und niedrigerer Bildung“, sagte sie. Sie forderte deshalb „mehr Gerechtigkeit gegenüber den Begabungen und Neigungen der Schüler und gegenüber dem qualitativen und quantitativen Bildungsbedarf“. „Die neuen Lernstrukturen in der Realschule Plus unterstützen die Anforderungen der neuen Arbeitswelt. Sie lassen sich in gemischten Schülergruppen eher verwirklichen“, plädierte sie für die neue Schulform. „Schule im 21. Jahrhundert beinhaltet die Aktivierung der Lernenden, mehr Selbstkontrolle, mehr Medieneinsatz sowie räumliche und zeitliche Flexibilität.“An der von Wolfgang Redwanz, Abteilungsdirektor Schulaufsicht, ADD Koblenz a. D., moderierten anschließenden Podiumsdiskussion nahmen auch Alexander Baden, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz, Ernst Carstensen, Realschulrektor Montabaur, Christoph Hansen, Obermeister der Elektroinnung Koblenz, Mitglied im Berufsbildungsausschuss der HwK Koblenz und Karl-Heinz Huth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Koblenz, teil.
Maßnahmen der HwK zur Berufsorientierung
In der Diskussion wurde auch deutlich, dass die HwK der Forderung nach gewandelten Anforderungen in der Lehrerausbildung gerecht wird. Sie führt nicht nur vielfältige Maßnahmen zur Berufsorientierung für Schüler durch, sondern bietet auch Lehramtsstudenten die Möglichkeit, ihre Bildungsarbeit für verschiedene Zielgruppen in den HwK-Werkstätten kennen zu lernen. So ergibt sich ein Einblick in die Praxisaufgaben der verschiedensten Handwerksberufe. Die HwK beteiligt sich darüber hinaus am Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und bietet Schülern in einer jeweils zweiwöchigen Maßnahme die Möglichkeit, drei verschiedene Berufsbereiche praktisch in den Werkstätten zu testen. Projekt-AGs in Ganztagsschulen, Berufspraktika/-camps, Juniortechniker-Workshops zählen unter anderen zu den Angeboten.
Die Lehrer-Info-Tage der Handwerkskammer Koblenz werden in den kommenden Tagen mit Seminaren und Workshops fortgesetzt. Sie sind eine in ihrer Art bundesweit einmalige Veranstaltung, die von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, Außenstelle Schulaufsicht Koblenz, unterstützt und mitgetragen wird. Sie richtet sich an Lehrer aller allgemeinbildenden Schulen im nördlichen Rheinland-Pfalz, von der Grundschule bis zum Gymnasium. 18.000 Teilnehmer besuchten in den letzten 33 Jahren diese als Fortbildung anerkannte Veranstaltung.
Stand: 18.11.2009
KOBLENZ. Zu einem hochkarätigen Programm laden die 33. Lehrer-Info-Tage bei der Handwerkskammer Koblenz vom 16. bis 20. November ein. Professor Dr. Dieter Münk, Institut für allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik, Universität Darmstadt, und Dr. Kornelia Hahn vom Institut für politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn, referieren zum Auftakt über das Thema: „Berufsvorbereitungs- und Übungssysteme“ und „Selbstbestimmtes lebenslanges Lernen in unterschiedlichen Arbeitsgesellschaften in Bezug auf die neue Realschule plus“. Prof. Dr. Münk ist Herausgeber zahlreicher Publikationen und soziologischer Studien zu Berufs- und Wirtschaftspädagogik aus nationaler und internationaler Sicht. Er beschäftigt sich auch mit Fragen deutscher Berufsbildung im europäischen Kontext. Aktuelle Forschungsschwerpunkte von Dr. Kornelia Hahn sind unter anderem die Face-to-face Interaktion in Medienkulturen und Theorien zum kommunikativen Wandel. Schwerpunkt der sich anschließenden Podiumsdiskussion mit Karl-Heinz Scherhag und Alexander Baden, Präsident und Hautgeschäftsführer der Handwerkskammer Koblenz, Wolfgang Redwanz, Abteilungsdirektor Schulaufsicht a.D., ADD Koblenz, sowie Vertretern von Handwerk und Schulen sind geeignete Übergangssysteme von Schule zum Beruf.
Lehrer-Praxis/IT-Tag
Der 2. Tag der Lehrer-Info-Woche bei der Handwerkskammer Koblenz steht ganz im Zeichen von Kommunikation. Zur Wahl stehen drei Workshops mit folgenden Themen: Textverarbeitung mit Open-Source-Software, einer Alternative zu kostenpflichtigen Textverarbeitungsprogrammen, ein Methoden-Workshop der vermittelt, wie betriebliche Praktika erfolgreich vorbereitet werden und das „multimediale Klassenzimmer“, in dem Softwarelösungen speziell für den Schulbereich vorgeführt werden.
Perspektive Förderschule
In drei Workshops mit Dozenten und Ausbildern der Pädagogischen Anlaufstelle der HwK Koblenz und Beratern der Agentur für Arbeit informieren sich die Lehrer am 3. Tag über Möglichkeiten der Förderung durch die Berufsberatung, Berufsvorbereitung und Berufsausbildung sowie über Angebote der Handwerkskammer Koblenz, Schülern beim Start in die Berufsausbildung zu helfen.
Werkstatttag
Die überbetrieblichen Lehrgänge sind von zentraler Bedeutung für die Qualitätssicherung in der handwerklichen Ausbildung. Am vierten Tag haben die Lehrer Gelegenheit, die Lehrlingsunterweisung in unterschiedlichen Berufsfeldern der Metall- und Bauberufe zu erkunden und einzelne Bereiche praktisch auszuprobieren.
Profiling und Praktika
Der letzte Tag führt in das HwK-Berufsbildungszentrum Rheinbrohl. Berufsorientierung durch Profiling und Praktika stehen dabei im Vordergrund. Betriebsinhaber und Ausbilder informieren über die Erwartungen des Handwerks an Praktikanten und Lehrlinge.
Die Lehrer-Info-Tage der Handwerkskammer Koblenz sind eine in ihrer Art bundesweit einmalige Veranstaltung, die von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion, Außenstelle Schulaufsicht Koblenz, unterstützt und mitgetragen wird. Sie richtet sich an Lehrer aller allgemeinbildenden Schulen im nördlichen Rheinland-Pfalz, von der Grundschule bis zum Gymnasium. 18.000 Teilnehmer besuchten in den letzten 33 Jahren diese als Fortbildung anerkannte Weiterbildung.
Stand: 03.11.2009

Praktische Workshops am 2. Tag der Lehrer-Info-Tage
Koblenz. Der 2. Tag der 32. Lehrer-Info-Tage bei der Handwerkskammer Koblenz stand ganz im Zeichen von Kommunikation, Gestaltung und Fertigung. Der Wunsch der Lehrer, von Fachleuten etwas über handwerkliche Fertigkeiten zu erfahren, die sich im Schulalltag, so im Fach Arbeitslehre, umsetzen lassen, ist groß. So nutzten viele den Workshop „Kunststoff - ein Werkstoff mit vielfältigen Gestaltungsoptionen“. Ob Seifenschale, Buchstütze oder Ablage für Schreibutensilien - die Lehrer setzten ihre kreativen Ideen, die sie vorher skizziert und diskutiert hatten, in der Werkstatt um. Wieder andere perfektionierten ihre rhetorischen Fähigkeiten während eines Kommunikationstrainings im Fernsehstudio des HwK-Kompetenzzentrums für Gestaltung, Fertigung und Kommunikation. Auch im Workshop „Von 2D zu 3D - Gestalten und Entwickeln von dreidimensionalen Anschauungsobjekten aus Metall“ und der Umsetzung und Fertigung mit dem Laser war kreatives Geschick gefragt.
Im Impulsvortrag zum Thema „Individuelle Produktentwicklung und -fertigung - Unsere Zukunft“ zeichnete Christoph Krause, Diplom-Designer bei der Handwerkskammer Koblenz, den Weg vom Massen- zum individuellen Produkt auf. Neue Materialien und verbesserte Verfahren ermöglichen eine kostengünstigere Fertigung auch von sehr kleinen Produktserien mit Hilfe so genannter Additive-Fabrication-Technologien. Bereits in den 80er Jahren wurden erste 3D-Modelle schichtweise aus Kunstharzen materialisiert. Dieser Ansatz hat heute eine Fülle ähnlicher Verfahren hervorgebracht. Materialien und Verfahren sind der 3D-Druck (Kalkpulver), Multi Jet Modeling (Thermoplaste) und Laserintern (pulverförmige Thermoplaste und Metalle). Durch die Fertigung in Schichten werden Objekte mit komplexen 3D-Geometrien möglich. Jenseits industrieller Anwendungen denken einige Visionäre noch weiter: Sie wollen die industrielle Fertigung auf den Schreibtisch holen – als „Personal Fabrication“.
„Ich unterrichte Arbeitslehre an der Rolf-Simon-Schaumburger-Hauptschule in Westerburg und habe den Kunststoff-Workshop gewählt, um Anregungen zu erhalten, die in der Praxis umsetzbar sind“, so Hajo Kirchner. Er ist regelmäßig bei den Lehrer-Info-Tagen dabei. Heute baut er Buchstützen, die er als Anschauungsmaterial in der Schule verwenden möchte. Marcel Woll von der Waldschule in Montabaur hat sich ebenfalls den Workshop „Kunststoffe“ ausgesucht. Er fertigt ein modernes Vogelhäuschen. „Ein Objekt, das ich in der Schule mit meinen Schülern nacharbeiten kann“, ist er sicher. Ute Schneider, Duale Oberschule Albert-Schweitzer in Koblenz, fertigt einen Handyständer aus Kunststoff an. „Ich unterrichte Praxis in der Schule und bekomme bei der HwK immer wieder tolle Anregungen“, freut sie sich. Einen Kleiderhaken für neun Kleidungsstücke hat Harald Hollmann von der Kinzingschule Neuwied im Workshop „Von 2D zu 3D - Gestalten und Entwickeln“ entworfen. „Ich sehe den Workshop auch als Weiterbildung für meine Kollegen, die nicht hier sind. Wohin die Technik in der Zukunft geht, ist interessant. Ich gebe mein erworbenes Wissen gerne weiter.“ Bereits in den nächsten Tagen nutzt er das Angebot der HwK Koblenz zu Praxistagen für die Schüler. „Wir kommen regelmäßig mit unseren Achtklässlern vorbei, um in den Werkstätten praktische Tipps für die Berufswahlentscheidung zu bekommen“, betont er.
Christine Köhler von der Adolf-Reichwein-Schule in Bad Ems hat sich für den Workshop „Streitschlichtung in der Schule“ entschieden. „Steigende Aggression, die sich bis zur Gewalttätigkeit steigert, ist ein Thema an der Schule. Ich hoffe, praktische Tipps zu erhalten und sehe den Workshop auch als Erfahrungsaustausch“, sagt sie. Ines Rivera, Max-von-Laue-Gymnasium in Koblenz, berichtet, dass die „Gymnasiasten hörbar höflicher miteinander umgehen“. Sie ist dennoch überzeugt, dass „verbale Aggression stattfindet, diese aber geschickter verpackt ist“. Bernd Best, Berufsschullehrer Metalltechnik an der Berufsbildenden Schule in Neuwied, glaubt, dass „der Umgangston der Schüler untereinander oft nicht so gemeint ist, wie ihn Erwachsene hören“. „Ausdrücke wie Hurensohn und Wixer werden nicht einmal vom Beschimpften als starke Beleidigung aufgefasst“, ist er sicher. Ein Fazit aus dem Workshop: Ohne Kommunikation geht es nicht!
Stand: 11.12.2008

32. Lehrer-Info-Tage der HwK Koblenz vom 10. bis 14. November – Auftakt mit Professor Dr. Bassam Tibi
Koblenz. „Die Schule ist neben der Familie der wichtigste Ort für das Erlernen von Werten. Toleranz im Sinne von Akzeptanz und gebunden an ein Wertesystem steht dabei im Zeitalter der Globalisierung obenan. Durch Erziehung und Bildung muss es gelingen, die unterschiedlichen Fähigkeiten und Kompetenzen, die Menschen mitbringen, für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen. Bildung ist der wichtigste Schlüssel zur Integration. Aber: Integration und Toleranz lassen sich nicht per Gesetz verordnen. Und: Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist weit mehr als das Erlernen der Sprache. Integration beinhaltet das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Gemeinwesen. Fremd bleibt, wer sich fremd fühlt. Integration kann man nicht erzwingen, sondern muss die Herzen und Seelen der Menschen gewinnen“, so Bassam Tibi, Professor für Internationale Politik an der Universität Göttingen und einer der führenden Islam-Experten weltweit, zum Auftakt der 32. Lehrer-Info-Tage, die von HwK-Präsident Karl-Heinz Scherhag eröffnet wurde.
„Toleranz in Schule und Gesellschaft – Sozialethische und gesellschaftspolitische Aspekte“ lautete das Thema des ersten Tages der Lehrerinformationstage 2008. In Rheinland-Pfalz leben ca. 300.000 Menschen mit Migrantenhintergrund aus 180 Ländern. Das sind gut sieben Prozent der Gesamtbevölkerung. Von den 43.000 ausländischen Schülern aller Schularten verließen im Jahr 2007 40 Prozent die Schule mit Hauptschulabschluss, 9,7 Prozent ohne diesen Abschluss. Lediglich 19 Prozent der deutschen Jugendlichen starten mit Hauptschulabschluss in die Berufsausbildung. 26 Prozent der ausländischen Schüler verfügen über Realschulabschluss und acht Prozent haben Abitur (im Vergleich: deutsche Schüler 26,4 Prozent). 372 ausländische Jugendliche sind derzeit in der Lehrlingsrolle der HwK Koblenz eingetragen, 30 bereiten sich in den HwK-Berufsbildungszentren in verschiedenen Maßnahmen auf ihre Integration in Berufs- und Arbeitswelt vor. Die Maßnahmen der Pädagogischen Anlaufstelle der HwK werden von den örtlichen Arbeitsagenturen und den ARGEN finanziell gefördert.
„Unsere 50 Mitarbeiter kommen aus acht Nationen. Es gab in 20 Jahren nie Probleme. Für uns zählt die Leistung. Religion und Herkunft sind zweitrangig“, so Karl-Heinz Scherhag. Der Kammerpräsident ist selbstständiger Kraftfahrzeugmechanikermeister. Er plädierte dafür, „die Vorteile und Chancen der Zuwanderung stärker wahrzunehmen. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der Globalisierung müssen Zugewanderte und Einheimische noch stärker voneinander profitieren“. Er verwies auf die Initiative „Handwerk integriert Migranten“ der Handwerkskammer Koblenz. 164 junge Leute mit Migrationshintergrund wurden seit Projektbeginn individuell beraten. Es gab Kontakte zu 140 Betrieben, deren Inhaber Migrationshintergrund haben. Im Rahmen des Projektes sind 74 Betriebe zur Mitarbeit bei Ausbildung und Infoveranstaltungen oder zur Arbeit als Tutoren bereit, 47 haben bereits einen Praktikumsplatz zur Verfügung gestellt. Acht ausländische Betriebsinhaber machen extra den Ausbildereignungsschein, um ausbilden zu können.
Als „ideale Plattform für Migranten, mitten drin zu sein“, bezeichnete Uwe Rapolder, Trainer der TUS Koblenz, den Fußball. „Fußball ist gelebte Freundschaft zwischen den Völkern. Er ist Spiegelbild unserer multikulturellen Gesellschaft. Leistung steht über ethnischer Herkunft“, so der Trainer. Vier junge Nachwuchsspieler aus Thailand, der Türkei, Ghana und Kuba bestätigten das gute Klima in den Jugendmannschaften und die gegenseitige Anerkennung unter den Spielern unterschiedlicher Nationalitäten. Rapolder verwies auf eine geplante Nachwuchsförderung der TUS mit festgelegten Lerninhalten, die sowohl sportliche als auch persönlichkeitsfördernde Inhalte hat. Jürgen Mosen, leitender Polizeidirektor des Polizeipräsidiums Koblenz, informierte darüber, dass 26,3 Prozent aller Straftäter im vergangenen Jahr Jugendliche waren. Er stellte die Frage, wie viel Toleranz sich eine Gesellschaft leisten kann und machte deutlich, dass „es nicht zur Toleranz gehört, Intoleranz zu dulden. Die Polizei ist keine Reparaturwerkstatt der Gesellschaft. Gerechtigkeit und Integration im globalen Maßstab werden nur funktionieren, wenn man alle Menschen aktiv einbezieht und beteiligt“, so Mosen.
Ingo Noack, Schulleiter der RGS Sohren-Büchenbeuren, erklärte, dass an seiner Schule jeder der 560 Schüler individuell gefördert wird. „50 Prozent der Schüler sind Russlanddeutsche, 10 Prozent haben Migrationshintergrund. Wir leben Integration jeden Tag. Es gibt keine besonderen Programme. Die Schule ist von 6 Uhr bis 19 Uhr für die Schüler geöffnet. Freizeit und Schule bilden eine Einheit. Jeder Schüler soll einen für ihn passenden Abschluss bekommen.“ Noack forderte eine noch bessere Vorbereitung der Lehrer auf die kulturell und sozial heterogene reale Schülerschaft. Ivan Zinke, Tischlermeister aus Urbar, und Wolfgang Redwanz, Abteilungsdirektor der ADD-Außenstelle Schulaufsicht Koblenz, diskutierten im Anschluss mit Podium und Plenum. Vielfalt muss als Chance und nicht als Problem begriffen werden. Bildung muss für alle zum Schlüssel der Integration werden. Neues Denken, mehr Offenheit und ein kultureller Wandel sind erforderlich. Die Globalisierung eröffnet neue Möglichkeiten, Menschen und Kulturen kennen zu lernen. Sie ist eine Herausforderung, die es zu gestalten gilt. Europa könnte dabei eine Vorreiterrolle übernehmen.
Stand: 10.11.2008